Warum steigen die Immobilienpreise in Luxemburg so rasant?

Luxemburg ist halt ein kleines Land wo es sich sehr gut leben lässt.

Die Situation allerdings ist auch hausgemacht. Luxemburg muss jedes Jahr zirka 15.000 neue Arbeitsplätze schaffen damit das „System“ (Sozialleistungen und Wachstum) immer weiter funktionieren kann. Eine große Mehrheit davon in höheren Gehaltklassen. Der luxemburgische Arbeitsmarkt gibt aber nur wenige Arbeitskräfte her, welche diese neu geschaffenen Arbeitsplätze besetzen könnten und somit kommen jährlich neue Arbeitskräfte aus der ganzen Welt und vor allen aus den Grenzregionen nach Luxemburg. Laut Statec hat sich die Zahl der Grenzgänger zwischen 2000 bis 2017 um zirka 100.000 gesteigert. Diejenigen die es sich leisten können und nicht täglich 1-3 Stunden an Fahrzeit auf sich nehmen wollen schauen sich nach einer Wohngelegenheit in Luxemburg um und beeinflussen damit die Immobilienpreise, weil sich die Nachfrage stark erhöht, sowohl was die Miete als auch den Kauf angeht. Die Arbeitnehmer, welche von weiter herkommen sind in jedem Fall auf dem Immobilienmarkt aktiv, sei es als Käufer oder als Mieter. Zudem haben wir kaum Taxen und Grundteuer zu zahlen und Einkommens- und Erbschaftssteuern sind auch zumindest teilweise vorteilhafter als in den Nachbarländern. Selbstverständlich gilt dies nur für Arbeitnehmer, welche aus den höheren Gehaltsklassen kommen. Es reicht aber allemal, dass in Luxemburg wohnhafte Arbeitnehmer und Rentner aus den niedrigeren Gehaltklassen sich im Grenzbereich in den Nachbarländern niederlassen müssen, weil es hier für sie nicht mehr bezahlbar ist.

Ziemlich unbemerkt haben sich die Verkaufspreise jedoch schneller entwickelt als die Mietpreise. Vor 15 bis 20 Jahren lagen die gefragten Mieten oft höher als die gesetzlich erlaubten 5% vom Investment, heute liegen sie in Regel nur noch zwischen 3 und 4 %. Das ist immer noch sehr vorteilhaft gegenüber den Zinsen auf der Bank welche gegen null tendieren. Weil gleichzeitig auch noch der Wert der Immobilie jährlich um zirka 4 % steigt ist ein solches Investment lukrativ.

Das System lässt sich nicht mehr ändern ohne viel Porzellan bzw. Wohlstand zu zerschlagen, aber man kann wie schon oft vorschlagen die Geschwindigkeit etwas reduzieren und auf ein nachhaltigeres Wachstum setzen.

Selbstverständlich würde es auch helfen, wenn die administrativen Hürden bei neuen Bauprojekten endlich schneller gemeistert werden könnten. Man hat aber das Gefühl, dass es immer komplexer wird.

Es ist zudem erstaunlich festzustellen wie benachbarte Gemeinden teilweise gegensätzliche Vorstellungen haben wie sich die Gemeinde entwickeln soll, das geht von übertrieben großen Wohnblocks bis zu einer Antiwohnungspolitik, unabhängig davon, dass manche Gemeinden ländlicher sind und bleiben wollen als andere. Es gibt auch eine Regel, die besagt, dass man in der „faible densité oder HAB1 (geringe Baudichte“ nur maximal 20 Wohneinheiten pro Hektar bauen darf. Seit 20 Jahren wird gepredigt, dass wir weniger Land pro Wohneinheit verbrauchen müssen aber diese Regel wurde nie angepasst. Bei neuen Bauprojekten müssten wir unbedingt auf den Weg gehen, zu einer höheren Verdichtung d.h. dichter bauen und zwar überall, aber proportional zu den bestehenden Regeln. An bestimmten ausgewiesenen Lagen muss auch deutlich höher gebaut werden können. (Kirchberg, große Achsen zur Hauptstadt, usw.) so wie jetzt zumindest teilweise im Ban de Gasperich.

Gerade weil die Preise so hoch sind sollte man im Prinzip, dort wo man Einfamilienhäuser bauen kann sollte es auch möglich sein 2-Familienhäuser zu bauen unter den Bedingungen, dass das Bauvolumen deckungsgleich mit einem Einfamilienhaus bleibt, dass das Haus maximal auf einer Seit angebaut ist und dass man genug Parkmöglichkeiten schaffen kann (entsprechend der Baubestimmungen der jeweiligen Gemeinde)

Damit es nicht ausarten kann, sollte man auch beschließen das bei neuen Bauprojekten in der HAB1 maximal 20 % 2-Familienhäuser gebaut werden dürfen.

Die niedrigen Hypotheken und Sparzinsen tragen auch ihren Teil dazu bei, dass die Leute in Immobilien investieren, denn es ist allemal interessanter 4 % jährlichen Zuwachs auf einer Immobilie zu haben als zirka 0,15 % auf Bankeinlagen. Der niedrige Hypothekenzins hat einen direkten Einfluss auf die Immobilienpreise denn die Leute können höhere Darlehen stemmen.

Man kann also sagen, dass die Krise von 2008 die Immobilienpreise zunächst abgebremst hat, aber die Folgen sie erst richtig haben steigen lassen.

Die Fläche unseres Kleinen attraktiven Landes können wir leider nicht erweitern, also müssen wir neue Wege gehen. 

prix-immobiliers.jpg